Bürgerschaftliches Engagement in Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz hat viele Stärken. Eine zeigt sich mit Sicherheit darin, dass wir mit mehr als einer Million ehrenamtlich Engagierter inzwischen die zweithöchste Engagementquote im Ländervergleich erreicht haben. Bundesweit, das belegen die Ergebnisse des 2. Freiwilligensurveys, bringen sich ein Drittel aller Bundesbürger über 14 Jahren (36 %) aktiv in das Gemeinwesen ein. In Rheinland-Pfalz liegt das Engagement der Bürgerinnen und Bürger sogar noch über dem Bundesdurchschnitt. Hier sind es fast 40 % die ehrenamtlich aktiv sind und die Zuwachsrate beträgt gegenwärtig 6 %. Dabei stellt die größte Wachstumsrate des Freiwilligen Engagements ältere Menschen dar. In Rheinland-Pfalz ist es aber gelungen, nicht nur das vorhandene Potential der Senioren für das freiwillige Engagement zu mobilisieren. Darüber hinaus konnten alle anderen Altersklassen ihre Engagementwerte im Vergleich zu 1999 nicht nur verbessern, sondern auch konsequent gegenüber dem Bundesdurchschnitt erhöhen. Bemerkenswert für Rheinland-Pfalz ist auch, dass Gleiches für das bürgerschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten gilt. In Rheinland-Pfalz engagieren sich gegenwärtig 32 % der Migrantinnen und Migranten, im Bundesdurchschnitt sind es nur 23 %.
Bürgerschaftliches Engagement – Freiwilligenarbeit, Ehrenamt, Selbsthilfe, Engagement in Selbsthilfen und Religionsgemeinschaften, in Nicht–Regierungsorganisationen (NGOs), Verbänden und Parteien, aber auch als „Corporate Citizenship“ von Unternehmen – und eine aktive Bürgergesellschaft sind wichtige Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Bürgerengagement schafft soziales Kapital und trägt so zu mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Die Bürgergesellschaft erbringt eigenständige Beiträge zur Lösung vieler gesellschaftlicher Probleme, die weder Markt noch Staat allein lösen können.
Eine aktive Bürgergesellschaft ist geprägt durch ein hohes Maß an aktiver Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger bei der Gestaltung des Gemeinwesens. Bürgerschaftliches Engagement basiert auf Freiwilligkeit und kann nicht verordnet werden. Wenn es sich weiter entfalten soll, bedarf es der Motivation, Ermutigung und Ermöglichung. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen für die Gestaltung einer Engagement fördernden Politik in Bund, Ländern und Kommunen. Eine aktive Bürgergesellschaft braucht den ermöglichenden und aktivierenden Staat, der gute Voraussetzungen für das Engagement schafft. Er trägt – gemeinsam mit Organisationen der Bürgergesellschaft und mit Unternehmen als „guten Bürgern“ (Corporate Citizen) – dazu bei, Zugänge zum Engagement auch für diejenigen zu schaffen, die sich bislang noch nicht freiwillig engagieren.
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz hat Bürgerengagement und die Förderung einer lebendigen Bürgergesellschaft zu einem Schwerpunkt ihrer Politik erklärt. Mit der fünfteiligen Bürgerkongressreihe unter dem Motto „Für unsere Zukunft, für uns alle“, im Jahr 2005 wurde auf Anregung von Ministerpräsident Kurt Beck der Versuch unternommen, im direkten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern eine neue Kultur des Miteinanders zu anzuregen.
Die Themen der Kongressreihe reichten von Freiwilligen Engagement von zu- und eingewanderten Menschen über die Zukunft von bürgerschaftlichem Engagement in Schule und Kindertagesstätte, die Nutzung von Bürgerkompetenz für die Gestaltung einer lebendigen Kommune bis hin zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen.
In diesem Prozess der Suche nach einer zeitgemäßen Verantwortungsbalance wachsen allen Beteiligten – den Bürgerinnen und Bürgern, den Initiativen und Verbänden, der Verwaltung und Politik wie den Unternehmen – neue Aufgaben und neue Rollen zu. Mit ihrer Expertise stellten die Bürgerinnen und Bürger auf den Kongressen der Politik wichtige Erkenntnisse aus der gelebten Praxis des Ehrenamts zur Verfügung, die zur Bewältigung zukünftiger Aufgaben in Politik und Gesellschaft wertvolle Hilfe und Unterstützung leisten können.
Nicht nur die Diskussionen und Ergebnisse der fünf Bürgerkongresse haben die politische Entwicklung auf dem Gebiet des bürgerschaftlichen Engagements in Rheinland-Pfalz hin zu einer ressortübergreifenden integrierten Landespolitik befördert. Es wurde in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Projekten auf den Weg gebracht, die die positiven Impulse der Engagementbereitschaft im Land aufnahmen und im Sinne einer aktiven rheinland-pfälzischen Bürgergesellschaft weiter entwickelten.
Hier ist insbesondere die Einführung einer Sammel-Unfall- und Sammel-Haftpflichtversicherung für Ehrenamtliche zu nennen, die das Risiko deutlich minimiert, als Ehrenamtlicher im Schadensfall auf den Folgen sitzen zu bleiben.
Die landesweiten Ehrenamtstage entwickeln sich immer mehr zum Schaufenster eines vielseitigen und sich steigernden Engagements und auch die Landeswebseite www.wir-tun-was.de ist zur Informationsdrehscheibe in allen Fragen des Ehrenamtes im Lande geworden auf der sich inzwischen mehr als 12.000 rheinland-pfälzischer Vereine und Initiativen präsentieren.
November 2006 wurde in der Staatskanzlei die „Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung“ eingerichtet mit dem Ziel, die aktive Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz bei der Gestaltung eines lebendigen Gemeinwesens zu unterstützen und weiter zu verbessern. Erfahrung, Bürgersinn und soziales Kapital sollen so noch sichtbarer als bisher in die Gestaltung der Landespolitik einbezogen werden. Die Leitstelle hat den Auftrag, die Vernetzung und Koordinierung von Programmen der Landesregierung zur Förderung von Ehrenamt und Bürgerengagement voranzutreiben und den Dialog mit und in der Zivilgesellschaft in Rheinland-Pfalz zu intensivieren.
Zu ihren Aufgaben gehören die Organisation und Durchführung zentraler Veranstaltungen und Kongresse, die Kooperation mit den Sozialverbänden, den kommunalen Spitzenverbänden, den Gewerkschaften, Kulturverbänden und Kirchen ebenso wie die Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung Rheinland-Pfälzischer Unternehmensverbände und Unternehmen des Landes in allen Fragen gesellschaftlichen Engagements. Die Leitstelle organisiert jährlich den landesweiten Ehrenamtstag, betreut und berät die Bürgerstiftungen des Landes und steht allen Einrichtungen, Vereinen und Initiativen in Fragen rund um das Thema Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement zur Verfügung.
Für das Frühjahr 2007 ist die Einführung eines Engagement- und Kompetenznachweises im Ehrenamt geplant. Damit soll die ehrenamtlich erbrachte Leistung zertifiziert werden und die erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen im bürgerschaftlichen Engagement zum Beispiel bei der Bewerbung um die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit genutzt werden können.
Nicht zuletzt der Erfolg des Aktionstages „Ehrenamt hat ein Gesicht“ im Rahmen der bundesweiten Engagementwoche „Engagement macht stark“ des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) hat dazu beigetragen, die Kooperation zwischen Vertretern der organisierten Zivilgesellschaft und der Landesregierung weiter zu intensivieren. Wir sollten alle daran mitwirken, dass diese positive Entwicklung sich auch in 2007 fortsetzen kann.

